Festival der alten Musik
Das Utrecht Early Music Festival zählt zu den führenden Festivals für historische Musik in Europa. Im Jahr 2026 findet es vom 28. August bis zum 6. September statt und steht unter dem Motto „Giving Voice“.
Das Thema bezieht sich auf Les voix humaines des französischen Barockkomponisten Marin Marais. In diesem Werk lässt er die menschliche Stimme durch die Saiten der Viola da Gamba erklingen. Dieser scheinbare Widerspruch bildet den Ausgangspunkt für das Festival: Seit Jahrhunderten ist Musik ein Mittel, um der menschlichen Stimme Ausdruck zu verleihen – in Liedern ebenso wie durch Instrumente und andere Klangquellen.
Im Laufe der Musikgeschichte sind viele unterschiedliche Stimmen zusammengekommen: von gregorianischer Monodie und der Lyrik der Troubadoure über Lautenlieder, Airs de cour und höfische Maskenspiele bis hin zu den Semi-Opern von Komponisten wie John Blow und Henry Purcell. Stimmen können gleichberechtigt miteinander verflochten sein, etwa in der französisch-flämischen Polyphonie, oder hierarchisch organisiert, wie im Hochbarock.
Das Festival wirft auch die Frage auf, wem in der Geschichte eine Stimme gegeben wurde – und wem nicht. Lange Zeit durften Frauen in der katholischen Kirche nicht singen und wurden durch Knabensoprane oder Kastraten ersetzt. Andere Stimmen, etwa die von versklavten oder unterdrückten Gemeinschaften, sind häufig nur indirekt in Melodien und Rhythmen überliefert. Während des Festivals wird nach Wegen gesucht, diese Stimmen wieder hörbar zu machen.
Neben Konzerten mit internationalen Solisten und Ensembles lädt das Festival das Publikum ein, selbst aktiv zu werden. So entsteht ein Festivalchor, in dem Amateursänger gemeinsam mit Profis proben und auftreten. „Giving Voice“ wird damit nicht nur zum Thema, sondern auch zu einer gemeinsamen Erfahrung, bei der Zuhören und eigenes Singen zusammenkommen.
Wann
- 29 Aug 2026 - 6 Sep 2026
